Spitze im Westen

Mit Tablet, Cloud und Drohne Gebäude erschaffen

Mit Tablet, Cloud und Drohne Gebäude erschaffen

Wie die Frauenrath Unternehmensgruppe den heutigen Anforderungen auf dem Bausektor mit digitaler Technik begegnet

Es ist ein ganz normaler Montagmorgen für Dirk Nordhausen. Der studierte Bautechniker befindet sich an seinem PC, klickt durch das Computerprogramm und plant dabei ein neues Bauprojekt. In Windeseile fliegt der Cursor der Computermaus über den Bildschirm. Wände, Fenster, Türen und Etagendecken entstehen wie von Geisterhand. Nach und nach wächst ein Bürogebäude auf dem Bildschirm empor. Nordhausen arbeitet bei der A. Frauenrath BauConcept GmbH. Sie ist Teil der Frauenrath Unternehmensgruppe, die ihren Hauptsitz in Heinsberg hat. Dirk Nordhausen und seine Kollegen kümmern sich um die Bauwerksdatenmodellierung (in Englisch als Building Information Modeling bezeichnet, kurz BIM). BIM beschreibt eine Verbindung aus Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von öffentlichen und privaten Bauwerken, welche durch den Einsatz von spezieller Software geschieht.

Dirk Nordhausen arbeitet schon seit Jahren mit der Methode und kennt sich mit BIM bestens aus. "Architekten erstellen meist zunächst einen Entwurf in 2D. Und diese Daten können wir dann in ein 3D-Modell umwandeln. Dabei spielen der Flächenbedarf und eine schnelle Kostenermittlung eine große Rolle. Denn bei jedem einzelnen Bauelement, welches sich im Modell befindet, wurden zunächst in einer großen Datenbank die jeweiligen Kosten und Eigenschaften hinterlegt. So kann ich mit wenigen Klicks beispielsweise verschiedene Arten von Fenstern im Modell austauschen und weiß direkt, welche Kosten dahinterstecken", erklärt Nordhausen. Das Programm ermöglicht beispielsweise auch die parallele Arbeit am Modell. "Eine Kollegin kann schon Veränderungen in der 2. Etage vornehmen, während ich in der Tiefgarage andere Zwischendecken in dem Modell plane.“ Wichtig sei dafür natürlich die Qualität der Daten.

Know-how erforderlich

Seit rund vier Jahren gibt es eine rasante Entwicklung bei der Bauplanung. Architekten, Bauzeichner und Bautechniker müssen Veränderungen im Baurecht und die jeweiligen Nutzeranforderungen beachten. Da ist jede Menge Know-how erforderlich. „Wenn wir heute ein Schulgebäude entwerfen, dann müssen wir viel mehr bei der Auswahl an Wandfarben, Bodenbelägen oder der technischen Ausstattung der Klassen- und Arbeitsräume beachten, als noch vor einigen Jahren“, betont Nordhausen. Deshalb konzipiere man immer nur reine Prototypen bei den jeweiligen Gebäuden. Für jedes Projekt wird mittlerweile eine Vielzahl an Fachplanern aus unterschiedlichen Bereichen benötigt.

Wer sich für diese Arbeit interessiere, sollte vor allen Dingen über ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen verfügen und Mathematik und das Zeichnen zu seinen Stärken zählen. Entweder man macht dann eine Ausbildung als Bauzeichner oder man studiert wahlweise Architektur oder Bautechnik an einer Hochschule.

Automatisierte Workflows

In der Firmenzentrale der Frauenrath Unternehmensgruppe in der Heinsberger Industriestraße treffen wir Chi Binh Banh an. Der EDV Leiter der Unternehmensgruppe treibt seit Jahren mit seinem Team das Thema Digitalisierung bei Frauenrath voran. „Seit 2007 verfügen wir über eine digitale Bauakte. Jeder Beteiligte kann mithilfe eines mobilen Endgeräts wie Tablet oder Smartphone auf sämtliche Daten zu einem Bauprojekt zugreifen. Die Daten sind alle in einem DMS gespeichert und ermöglichen beispielsweise dem zuständigen Bauleiter eine effiziente Suche nach wichtigen Dokumenten, ohne dass er wie früher unzählige Aktenordner zur Baustelle mitschleppen muss.“ Auch das Überprüfen von Rechnungen und das Qualitymanagement innerhalb des Unternehmens wird durch einen digitalen Prüfprozess gesteuert. „Das erleichtert den Workflow enorm, spart Kosten und Ressourcen spürbar“, so Banh. Am Beispiel der elektronischen Rechnung für das Bauunternehmen Heinsberg wird dies deutlich: im November 2019 wurden bereits 42,5 Prozent der Rechnungen digital übermittelt und über einen automatischen Rechnungsprüfungsprozess mit intelligenter Belegerkennung verarbeitet.

Exaktere Aufmaße und Bauprozesse

Die Digitalisierung spielt auch in anderen Bereichen des Bauunternehmens eine wichtige Rolle. So betreut zum Beispiel Mitarbeiterin Miriam Raasch eine Drohne, mit deren Hilfe sie Baugelände in kurzer Zeit vermessen kann. Die gelernte Bauzeichnerin wandelt die so gewonnenen Daten in ein digitales Geländemodell um. „Mit einem klassischen Rover-Stab benötigt man für die Vermessung in der Regel rund ein bis zwei Tage. Durch die Drohne können wir die Zeit auf schätzungsweise ein bis zwei Stunden drastisch reduzieren“, weiß Miriam Raasch. Natürlich kennt die junge Frau auch sämtliche rechtlichen Bedingungen für die Verwendung von Drohnen bei Vermessungsarbeiten. „Da gibt es einiges zu beachten.“

Neben Aufmaßen mit der Drohne erstellt Raasch auch digitale Modelle von der Planung, die sie an Thomas Freudewald weiterleitet. Freudewald ist für die Vermessung und die Maschinensteuerung bei Frauenrath zuständig und nutzt die Daten, um diese für Erdmaschinen wie Bagger oder Raupe umzuwandeln und in der Folge bereitzustellen. „Die jeweiligen Maschinenführer können sich auf der Baustelle die Daten aus einer Cloud herunterladen und dann ihre Geräte und Maschinen exakt einstellen. Bis auf den Zentimeter genau kann somit gearbeitet werden. Dadurch steigt die Qualität der Prozesse deutlich“, betont Thomas Freudewald.

Für Chi Binh Banh ist der Prozess der Digitalisierung im Unternehmen längst noch nicht abgeschlossen. Im Gegenteil, in den nächsten Jahren soll diese Entwicklung weiter voranschreiten und noch weitere Abteilungen und Geschäftsvorgänge erfassen. „Es gibt bereits jetzt weltweit Versuche, ganze Gebäude oder zumindest spezielle Bausteine für Bauwerke mithilfe eines 3D-Druckers entstehen zu lassen. Das kann in naher Zukunft eine weitere Option für Bauunternehmen wie uns sein“, erklärt Banh.

Mit digitaler Technik entstehen die Gebäude der Zukunft. Foto: Frauenrath Unternehmensgruppe

An der jeweiligen Baustelle steigt die Qualität der Arbeitsprozesse. Foto: Frauenrath Unternehmensgruppe

Diesen Beitrag teilen